Werner Zimmer

(67 Jahre Diabetes)
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Meine Eltern hatten eine Jagdpacht in der Nähe von Bad Mergentheim. Daher wurde unser Wohnwagen am Karfreitag an eine schöne Stelle im Jagdgebiet gebracht und ich hatte nach Abfahrt meiner Eltern zum Ansitz Gelegenheit mich um Schokolade, Ostereier und weitere süße Hinterlassenschaften des Osterhasen zu kümmern. In aller Ruhe vertilgte ich 11-jährig eine Menge, die schnell dafür sorgte, sie beiseite zu legen, um mit Hilfe des 20 l Wasser-Kanisters den unerträglichen Durst zu löschen. Das führte dann dazu, dass ich am Montag zum Internisten gebracht wurde, der sehr schnell einen Diabetes Typ 1 diagnostizierte.

Anschließend wurde ich ins Kinderkrankenhaus gebracht und durfte in den drei Folgewochen ungenießbaren Haferbrei essen und das Insulin-Spritzen lernen. Mit einer 12er Nadel (!), an deren Schmerz ich mich heute noch erinnere. Darauf folgte die Diabetes Therapie, die darin bestand, eine feste Menge an BE zu essen, die mit einer bestimmten Menge Depot Insulin (Hoechst) den BZ auf den (vom Arzt) gewünschten Wert brachte. Hinsichtlich BE und IE war das eine Therapie, die einige Wochen in Anspruch nahm. Um mich über meine Erkrankung zu informieren, bat ich meine Mutter darum, mir jegliche Literatur zu kaufen, die das Thema Diabetes mellitus Typ 1 zum Inhalt hatte. Diese Bücher offerierten auch Fotos, die die Folgen eines schlecht eingestellten Diabetikers zeigten (schwarze Füße bis hoch zum Knie, Blindheit, Nieren- Ausfall, Fußpilz, uvm.). Damals traf ich den Entschluss, dass mir solche Erkrankungen nicht geschehen sollten, da mir schnell klar war, dass KH und Insulin mir die Möglichkeit offerierten, meinen BZ (auch ohne die noch nicht verfügbaren Messgeräte) im Griff zu behalten. ABER es gab nur die Internisten, die ich für eine BZ Kontrolle aufsuchen konnte und das war eine „Momentaufnahme“, die für eine Alltäglichkeit nicht praktikabel war.

Daher beobachtete ich meinen Stoffwechsel und stelle fest, dass ein hoher BZ Wert immer mit einem Völlegefühl einher ging und fast nur mit Insulin zu bekämpfen war. Daher habe ich mich auf diese Weise therapiert, bis meine Kasse mir zu Beginn des Jahres 1981 das erste Messgerät zur Verfügung stellte. Erstaunlicherweise habe ich diese 22 Jahre ohne große Probleme überstanden, außer einer leichten PolyNeuropathie an beiden Füßen. Die andauernden BZ-Messungen haben allerdings dazu geführt, dass die Blutgewinnung an den Fingern immer öfter dazu führte, wegen der Vernarbung aller Fingerseiten kein Blut mehr zu gewinnen. Und ich hatte eine Zeit, in der ich pro Tag 15 – 20 Messungen durchgeführt habe. Daher habe ich mir 09/1995 in Bad Mergentheim eine Insulinpumpe verschreiben lassen und erreichte damit auch eine Verbesserung meiner BZ-Werte. Dennoch erwartete ich dringlich die Freigabe eines BZ-Mess-Systems, das mit der Insulinpumpe gekoppelt war und die BZ Werte anzeigte. Das war auch sehr dringlich, da ich plötzlich meinen Unterzucker nicht mehr spürte und oftmals plötzlich das Bewusstsein verlor.

2016 wollte ich dann aufgrund der Problematik der Unterzuckerung meinen Fall durch das Sozialgericht und Anklage gegen meine GKK klären lassen, erfuhr dann aber anlässlich eines Telefongesprächs mit der Rechtsanwältin des DDG, dass die Sensor Freigabe im Herbst 2016 erfolgen sollte. Und so war es denn auch und ich bin seither „voll versorgt“.

Mein HbA1C liegt anlässlich meiner 3-monatlichen Blutuntersuchung beim Diabetologen zwischen 6 und 6.3 und das Unterzuckerungsgefühl ist wieder zurückgekehrt.

Zurückblickend habe ich die gesamte diabetisch-technische Entwicklung miterlebt und recht froh, heute von perfekt funktionierenden Geräten begleitet zu werden. Heute bin ich mit 79 Jahren (davon 67 Jahre Diabetes) und ohne Sekundär-Erkrankungen immer noch top fit und sehr gespannt auf’s nächste Jahrzehnt.

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