Meine Eltern sind wohl die beeindruckendsten Menschen, die ich bisher kennenlernen durfte – das wird mir mit zunehmendem Alter immer mehr bewusst.
Ich bin 48 Jahre und solange ich lebe hat mein Vater Diabetes und meine Eltern meistern die damit aufkommenden Widrigkeiten schon so lange mit Bravour.
Mein Vater wird dieses Jahr 85 Jahre und leider bleibt auch dieses Jahr seine Diabeteserkrankung nicht die einzige Herausforderung, sondern ein „altbekanntes Aderhautmelanom“ kommt hinzu und die damit einhergehende Immuntherapie, die ziemlich intensiv zu sein scheint.
Mein Vater hatte zusätzlich zu seinen nun 60 Jahren Diabetes immer wieder sehr spezielle weitere Herausforderungen, denen er begegnen musste:
Er ist einmal vom Blitz getroffen worden.
Er musste eine Interferonkur überstehen, nachdem ihm Hepatitis-C diagnostiziert wurde.
Er hatte Hirnbluten.
Er hatte vor 30 Jahren ein Aderhautmelanom, welches in Marburg mit einer Plombe bestrahlt wurde.
20 Jahre später kam das Melanom zurück und sein Auge musste in Berlin entfernt werden.
Sein Auge ist nun fort und das Aderhautmelanom wieder zurück – leider hat es gestreut und sitzt in einigen seiner Organe als auch in seinen Knochen – vor 3 Wochen startete nun die Immuntherapie. Doch mein Vater ist nicht verbittert – er ist froh, dass es solche Behandlungsmethoden gibt und beklagt sich eigentlich kein Stück.
Immer schon begleitet ihn und auch uns seine Diabetesgeschichte – diese ist gezeichnet von:
… anfänglichen mit Messungen über die Teststäbchen; das Abkochen der Gerätschaften für die Messung und das Injizieren von Insulin mit zündholzdicken Kanülen, die damals noch zum Spritzen verwandt wurden, etc.
… diversen Unterzuckerungen, die meine und die Kindheit meines Bruders geprägt haben und unsere ganze Familie oft genug in Atem hielten;
… Weckerstellen für alle 2 Stunden, ob Tag oder Nacht, um sich zu testen;
… diversen Insulinwechseln, weil sein Körper auf langjährig gespritzte Insulinpräparate nicht mehr reagiert hat;
… mittlerweile sehr schwer zu kontrollierenden Zuckerwerten und dem Segen, dass er schon seit mehreren Jahren ein CGM-Gerät benutzt, was ihn rechtzeitig warnt (dieses hat er zu Anfang 4 Jahre selbst finanziert, bevor die Krankenkasse die Notwendigkeit dafür gesehen hat);
… nächtlichem Aufstehen, um in die Pedale seines Trimmdichrads zu treten, damit der Zuckerspiegel sinkt; etc.
Meine Mutter ist nun schon seit fast 60 Jahren an seiner Seite und die beiden sind ein tolles, eingespieltes Team – auch wenn es manchmal kracht.
Niemand kann meinen Vater und seine Krankheit so gut einschätzen wie sie – darum hat sie ihm wohl oft genug das Leben gerettet, wenn er wieder eine Unterzuckerung hatte.
Ich habe erst jetzt von der Möglichkeit einer solchen Urkunde erfahren und bin der Meinung, dass mein Vater ganz bestimmt eine solche verdient hat.
Sein Handeln lehrt mich, allen Widrigkeiten die Stirn zu bieten und das Leben so zu nehmen, wie es kommt.
Ich wünschte, ich wäre mehr so wie mein Papa – Meinhard Strack
Herzlichst,
Jessika Strack und Familie




