Preisträger 2014

Winfried Yblagger

Winfried Yblagger erlebte eine glückliche Kindheit im beschaulichen Bayrisch Gmain, die auch vom Beginn des Zweiten Weltkriegs anfangs nur wenig beeinträchtigt wird. Doch Anfang 1941 ist plötzlich nichts mehr, wie es war: Bei dem sechsjährigen Winfried wird Diabetes diagnostiziert. Der Arzt der Familie erkennt sofort, was mit dem Jungen los ist, und sorgt für die richtige Behandlung der Krankheit.

Doch mit dem Fortschreiten des Kriegs wird es immer schwieriger, das lebensnotwendige Protamin-Zink-Insulin zu beschaffen, bis im letzten Kriegsjahr die Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten ganz zusammenbricht. Obwohl Winfried einen verlustreichen Fliegerangriff auf seine Heimatstadt gut überstanden hat, schwebt der Zehnjährige weiter in Lebensgefahr.

Winfrieds Rettung ist die Hilfsbereitschaft der Menschen in seiner Umgebung: Eine Krankenschwester im Lazarett drückt ihm heimlich Ampullen mit Insulin in die Hand. Ein Drogeriebesitzer aus der Stadt bittet Verwandte in den USA um Hilfe. Selbst Chemiker der Wacker-Werke, die gar nicht pharmazeutisch ausgebildet waren, stellten für bedrohte Kranke die für sie lebensnotwendigen Medikamente her. Zwar brannte das Insulin ein bisschen, doch sicherte es dem Jungen das Überleben, bis die Alliierten die Medikamentenversorgung wieder sicherstellten. Zurückblickend sagt Winfried Yblagger heute, dass der Einsatz seiner Mitmenschen ihn in der Zeit der Nürnberger Prozesse den Glauben an die doch vorhandene Humanität in unserem Land wiedergegeben hat.

Der Drang, mehr zu erfahren über seine Erkrankung, führt dazu, dass Winfried Yblagger im Januar 1952 dem neugegründeten Deutschen Diabetikerbund beitritt. Auch das „Diabetes-Journal“ liest er mit Begeisterung, bis heute. Ärztliche Fürsorge erfährt er bei seinem Diabetologen Professor Mehnert, dem Namensgeber der Mehnert-Medaille. Ermuntert zum aktiven Selbstmanagement geht Winfried Yblagger seinen Weg, beruflich und privat.

Zwar ist die Furcht, dass die Krankheit sein Leben schwer beinträchtigen könnte, immer da. Doch Winfried Yblagger bleibt von Folgeerkrankungen weitgehend verschont. Wenn ihn heute der Rücken schmerzt, dann ist das zwar nicht schön. Es ist aber ein untrügliches Zeichen, dass Winfried Yblagger trotz allem ein langes Leben geführt hat. Immer an seiner Seite war seine Ehefrau Marianne, die Winfried Yblagger seit 55 Jahren unterstützt und die ihn auch heute hier nach Leipzig begleitet hat.

Die Mehnert-Medaille 2014 für sein perfektes Selbstmanagement in 73 Jahren Diabetes geht an Winfried Yblagger. 

Die Geschichte von Winfried Yblagger