Preisträger*innen 2026

Gabriele + Jürgen 
Walther
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Laudatio

Die diesjährige Verleihung der Mehnert-Medaille ist eine Premiere: Denn zum ersten Mal haben wir nicht einen, sondern zwei Preisträger*innen: Gabriele Walther, die seit 70 Jahren mit Typ-1-Diabetes lebt, und Jürgen Walther, der seit 57 Jahren an ihrer Seite ist und damit Typ-F-Diabetes hat – das „F“ steht hier für „Familie und Freundinnen“.

Aber von Anfang an…

Im Mai 1956 war Gabriele Walther fünf Jahre alt und hatte schrecklichen Durst. Ein Labortest zeigte schnell: Diabetes. Die Ersteinstellung fand im Schwabinger Krankenhaus statt. Sechs Wochen verbrachte sie dort und erlernte die damalige Therapie, bei der nicht zuletzt dicke Glasspritzen eine unrühmliche Rolle spielten.

1963 lernte Gabriele Walther dann Dr. Mehnert kennen. Als der berühmte Diabetes-Experte die Arbeit ihres Vaters lobte, der selbst Arzt war, wurde dieser rot vor Stolz. Gabriele Walther lief auch rot an, aber vor Scham, da sie wusste, wie viel an der „guten und umfassend dokumentierten Einstellung“, die Dr. Mehnert gelobt hatte, Fake war.

Mit neun Jahren lernte sie, sich selbst Spritzen zu setzen, um unabhängiger zu werden. Die neugewonnene Freiheit blieb aber nicht ohne Herausforderungen. So spritzte sich Gabriele Walther nur wenig später in eine Hypo mit Fremdhilfe – es sollte die einzige in 70 Jahren Diabetes bleiben.

Das Studium genoss Gabriele Walther sehr. Keiner wusste von ihrem Diabetes, das Körpergefühl funktionierte, die Teststäbchen lagen ungenutzt in der Schublade. Mit 26, bei der Gesundheitsprüfung für werdende Beamte, meinte die untersuchende Ärztin: „Prima, alles in Ordnung! Wenn Sie nach 20 Jahren Diabetes noch so tadellos beieinander sind, sehe ich keinen Grund, sie nicht zu verbeamten.“ Ganz recht behalten hat sie damit leider nicht.

Denn das ist die andere Hälfte der Geschichte von Gabriele Walther: Sie hat lange und gern gearbeitet, aber der Körper nahm ihr dies übel. Nach 31 Jahren Diabetes mussten die Augen das erste Mal gelasert werden. Vier Jahre später warnten die Nieren das erste Mal. Mit 49 Ruhestand, mit 50 große Herz-OPs, die wegen Komplikationen und einer Staphylokokken-Infektion fast schief gingen.

Doch der Seele geht es gut, denn hier kommt die „dritte Hälfte“ ins Spiel, ihr Ehemann Jürgen Walther, der als Mensch mit Typ-F-Diabetes seit 57 Jahren alle Hochs und Tiefs mitmacht. Die beiden lernten sich kennen, als sie mit zehn Jahren ins örtliche Gymnasium eingeschult wurde. In den neun gemeinsamen Schuljahren bis zum Abitur hatte er genug Zeit, den Typ-1-Diabetes kennenzulernen. Vor allem lernte er aber auch viel über die Reaktionen der Umwelt: verständnisvoll, gleichgültig, mitleidig, neugierig, unbelehrbar, hilfsbereit, abwehrend. Wenige fragten, viele tuschelten.

Gabriele und Jürgen Walther zogen 1969 gemeinsam zum Studium nach München. Doch obwohl sie zu diesem Zeitpunkt schon ein Paar waren, hatte er ein striktes Verbot, sich in die Behandlung des Typ 1 einzumischen. Bei Lebensentscheidungen war der Typ 1 jedoch immer präsent: Will man Kinder, wenn man vielleicht nur 30 wird? Welchen Beruf ergreift man? Sein Motto: „Typ F unterstützt – oder lässt es.“

Die Rolle von Jürgen Walther änderte sich erst, als die Folgeerkrankungen ihr gemeinsames Leben zu verändern begannen. Schleichend übernahm er mehr Aufgaben in Haus und Hof. Vor allem fuchste er sich in die Ernährung ein. Kochen war schon immer seine Leidenschaft, das half natürlich.

Zu Hochform lief der Typ F um die Jahrtausendwende auf: Jürgen Walther war voll berufstätig, seine Frau unerwartet rundherum hilfsbedürftig nach mehreren komplizierten Herz-OPs. Da haben ihn Beruf, Haushalt und Fürsorge gleichzeitig schon gefordert. Aber wenn sie ihn anstrahlte, wenn er von der Arbeit nach Hause kam, waren die Mühen vergessen. In dem Maß, wie die Augen seiner Frau nachließen, übernahm Jürgen Walther später auch das Steuer im Auto, wenn auch anfangs eher ungern. Heute, im Ruhestand, darf er endlich das tun, was anfangs so strikt verboten war: sie umsorgen nach Herzenslust. Und das tut beiden unendlich gut.

Herzlichen Glückwunsch an die Preisträger*innen der Mehnert-Medaille 2026, Gabriele und Jürgen Walther!

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