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50 Jahre Diabetes

Wolfgang Boehme

(65 Jahre Diabetes)
Wolfgang Boehme

Ich bin Jahrgang 1939. Nach einer durch den Zweiten Weltkrieg geprägten Kindheit bin ich zunächst in bescheidenen Verhältnissen (Vater bis 1949 in Kriegsgefangenschaft, Flucht 1945 aus Breslau zu meinen Großeltern), aber in einer harmonischen Familie aufgewachsen. Die Schulzeit habe ich gut gemeistert. Das Abitur am Gymnasium in Bitterfeld mit Bravour geschafft. Wir waren alle glücklich. Die Studienpläne waren geschmiedet.

Vor dem Studienbeginn wollte ich noch einen Monat in einem Chemiebetrieb arbeiten. Üblicherweise erfolgt dazu vom Betriebsarzt ein Gesundheitscheck. Und dann kam der 31. Mai 1957. Neben den allgemein üblichen Tests wurde auch der Urin untersucht. Bei dieser Untersuchung wurden erhebliche Mengen Glukose festgestellt. Weitere Tests bestätigten den Verdacht: Ich bin zuckerkrank (juveniler Diabetes). Für mich brach eine Welt zusammen. Wie geht es weiter?

Die Diabetiker-Praxis nahm die ersten Einstellungen und Schulungen vor, damit ich mit dieser „neuen Welt“ klar kam. Es war eine riesige Umstellung für mich (sowie meine Eltern usw.). Meine Berufswünsche wollte ich aber nicht aufgeben.

Die Klinik Bitterfeld überwies mich zur genauen Einstellung, Unterweisung und Schulung in das Zentralinstitut für Diabetes nach Karlsburg. Hier erlangte ich erstes fundamentales Wissen über die Krankheit Diabetes, über den Umgang mit der Tatsache, dass mich die Krankheit lebenslang begleitet und Insulin benötigt wird. Es wurde uns vermittelt, wie wichtig die Selbstdisziplin ist, um mit Diabetes Typ 1 relativ normal zu leben. Ein Grundsatz lautete: Sie müssen ihr eigener Arzt sein und in jeder Situation eine Lösung wissen. Aller Anfang war schwer: z.B. Glukosebestimmung mit Nylander Reagenz, Sterilisierung und Schleifen der Injektionsnadeln usw. Ein großer Aufwand, der sich für mich gelohnt hat.

Mein weiteres Leben nahm unter Berücksichtigung dieser Bedingungen langsam Normalität an. Ich studierte an der Ingenieurschule für Kraftfahrzeugbau (jetzt Westsächsische Hochschule in Zwickau). Das Studium konnte ich mit dem Prädikat „Sehr gut“ abschließen. Danach gründete ich eine Familie, wozu auch zwei Kinder gehören. Meine berufliche Tätigkeit begann ich in einem großen Transportunternehmen in Schwedt/Oder. Hier war über 36 Jahre in verantwortlichen Positionen tätig. Von 1963 bis 1969 nahm ich neben meinen beruflichen Verpflichtungen noch ein Fernstudium an der Uni Dresden auf und legte erfolgreich die Prüfungen für den Dipl. Ing. oec. für Transportwesen ab.

Und da war immer wieder mein Diabetes, der volle Aufmerksamkeit, Disziplin und auch Entbehrungen abverlangte. Ich passte meine Ernährung an und trieb viel Sport. Sport war eine große Leidenschaft von mir. Bis zum Studienende war ich aktiver Fußballer und im leichtathletischen Bereich aktiv. Danach im Freizeitsport bis zum Jahr 1989 involviert.

Eine besonders interessante Herausforderung war auch die WHO-Studie 1985/86 „intensivierte Insulintherapie und Insulinpumpe“ über das Zentralinstitut für Diabetes. Es ergaben sich auch für mich viele neue Erkenntnisse bei der Behandlung des Diabetes. In der Folge konnte ich ab diesen Zeitpunkt eine Insulinpumpe weiternutzen. Die Insulinpumpe war und ist ein Segen für mich. Als Pumpenträger habe ich die jahrelange Entwicklung dieses medizinischen Gerätes und der anderen Hilfsmittel erlebt. Sie nimmt zwar die Selbstdisziplin nicht ab, aber erleichtert erheblich die Therapie und das Leben.

Für 65 Jahre erlebtes Leben mit Diabetes bin ich dankbar. Dankbar muss ich auch meiner Familie und den medizinischen Umfeld sein und ich hoffe es mögen mir weitere Jahre vergönnt sein.

Veröffentlicht: 2022

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