Walburga Möhring

(74 Jahre Diabetes)
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Frau Möhring wurde 1938 in Radebeul bei Dresden geboren und wuchs in der Gärtnerei ihrer Eltern in Coswig auf.

Sie erkrankte mit 13 Jahren an Diabetes als einzige von 4 Schwestern in einer Zeit der Entbehrungen, Lebensmittelrationierung und erst wenige Jahre nach Entdeckung des Insulins. Der Hausarzt stellte letztendlich mit einer Probe ihres Urins die Diagnose und wies sie in das Krankenhaus Dresden Friedrichstadt ein. Dort änderte sich ihr Leben schlagartig: 4x täglich „Schweine“-Insulin zu festen Zeiten (6°°, 12°°, 18°°, 24°°) und ein starrer Kostplan. Süßigkeiten waren tabu, kaum Obst und die Briefwaage lange ein täglicher Begleiter.

Ca. 1956 kam das Protamin-Zink-Insulin 2x täglich dazu. Das Insulin wurde viele Jahre mit Glasspritzen und Stahlkanülen injiziert, die ausgekocht und auf Widerhaken geprüft werden mussten. Sie hatte immer ihr Insulin, eine Spritze und eine „Havarie -Bemme“ dabei.

Die Insulindosis wurde alle 3 Monate in der Poliklinik in Dresden durch Messung des Nüchternblutzuckers angepasst. Kurzzeitig nutze sie u.a. einen Glycurator, eine Apparatur zur Bestimmung der Harnzuckermenge.
Stationäre Aufenthalte Anfang der 50ziger Jahre in einem Kinderheim auf Garz, später in der Forschungsklinik für Diabetes in Karlsburg und in der Rehabilitationsklinik in Rheinsberg prägten ihr Leben.

Frau Möhring absolvierte eine Lehre als Laborantin, sowie Chemiefacharbeiterin und studierte später in Berlin Chemotechnik. 1958 lernte sie ihren Mann kennen und zog mit ihm in seinen Heimatort Schwedt, wo beide viele Jahre im dortigen Chemiekombinat arbeiteten. 1963 wurde ihr Sohn geboren.

Sie kletterte trotz des Diabetes als junge Frau begeistert in der sächsischen Schweiz und war aktive Wintersportlerin im Thüringer Wald.

Die Blutzuckerselbstmessungen und neuen Insulinpens Anfang der 90ziger Jahre veränderten auch ihr Leben. 2003 begann sie die Insulinpumpentherapie, bei der sie v.a. ihr Mann als Diplomingenieur mit großem technischem Interesse unterstütze. Seinen Traum einer automatisierten Insulintherapie hat er nicht mehr erlebt. Er verstarb 2022, und sie musste viele Dinge neu lernen. Sie kaufte sich einen eigenen PC und meistert bis heute allein ihre Insulinpumpentherapie (mit der Medtronic 780G).

Mit ihren 87 Jahren und nach fast 75jähriger Diabetesdauer bewältigt sie trotz Herz- und Niereninsuffizienz ihr Leben fast selbstständig allein. Die Einstellungen an der Pumpe kontrolliert sie mit einer Leselupe, und die Füße werden wie ein Augapfel gehütet. Die Dorfgemeinschaft in Senftenhütte, einem kleinen Dorf im Biosphärenreservat Schorfheide, wo sie mit ihrem Mann in den letzten Jahren lebte, unterstützt sie dabei. Sie wünscht sich „vom Anfang bis zum Ende“ Frieden, da sie andere Zeiten erlebt hat und hofft, noch lange, ihre Orchideen pflegen zu können, die ihr Vater früher in ihrer Gärtnerei züchtete.

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