Petra Borchert (51 Jahre Diabetes)

Petra Borchert Mein Name ist Petra Borchert und ich bin am 5. Oktober 1961 geboren worden.
Ich blicke mittlerweile auf eine 51 jährige Diabetes Typ1 Karriere zurück. Dass heißt, Mama musste die Glasspritze samt Kanüle auskochen und die Briefwaage war immer in Griffnähe. Die fehlenden Ecken an der Scheibe Brot gehörten zum täglichem Leben. Die Ausgrenzung gehörte ebenfalls dazu. Im Krankenhaus wurde für drei Wochen erstmal der Tropf angelegt bis ich mich zum 16. Lebensjahr gewehrt habe. Somit war ich als unmögliches Kind abgestempelt.

Mein erstes Blutzuckermessgerät habe ich mit 28 Jahren erhalten und auch nur, weil ich dem Krankenkassenmitarbeiter gesagt habe, dann lege ich mich halt neun Monate ins Krankenhaus während der Schwangerschaft. Er wollte mir kein Gerät zur Verfügung stellen. Die Begründung war, wir haben so viele Geräte an ältere Patienten ausgegeben und diese werden nicht genutzt. Als 28-Jährige hatte ich das Gefühl dass ich nicht richtig gehört habe.
Wenn bei Schulungen die Bilder mit Glasspritze usw. gezeigt werden und ein Raunen durch die Teilnehmerrunde geht, darf ich immer erzählen, so lief damals meine Therapie ab.
Tagesprofil, morgens nüchtern Blutwerte, um 11:00 Uhr wieder zum Arzt den 2. Wert abnehmen lassen und um 16:00 Uhr wieder.
Im Wartezimmer saßen meistens ältere Herrschaften die versucht hatten, am Vortag ihre Naschsünden mit Sauerkraut zu vertuschen.

Seit sechs Jahren bin ich Pumpenträger, das Leben ist besser geworden und die ansteigenden Werte gibt es seitdem nur noch selten. Hohe und niedrige Werte bemerke ich leider erst sehr spät. Da ich vor einem Jahr das CGM bewilligt bekommen habe, blicke ich zuversichtlich in die Zukunft.

Diabetes ist immer mal wieder ein Kampf und ich kann nur jedem raten, nehmt den Kampf auf, es lohnt sich! Ich arbeite am Empfang in einem Versorgungsamt. Es tut mir immer so leid, wenn Diabetiker mit 20 Jahren Diabetesdauer vor mir stehen und schwere Folgeerkrankungen haben.

Ich möchte noch zufügen, ich habe 1989 einen gesunden Sohn, trotzt Schwangerschaftsvergiftung, auf die Welt gebracht. Man hatte im Krankenhaus nicht auf mich gehört, denn ich habe Wochen vorher darauf hingewiesen, dass mein Kind sich kaum noch bewegt. Leider muss man heute auch noch die Erfahrung machen, als Diabetiker verfügt man über ein anderes Körpergefühl, aber nicht jeder Arzt hat Verständnis dafür.

August 2018

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