Olaf Behrendt (53 Jahre Diabetes)

Olaf Behrendt Meine Diabeteserkrankung begann im Jahre 1960 im Alter von 1 1/2 Jahren. Das Insulin war grade 12 Jahre auf dem Markt und die damalige Diättherapie hieß: kein Fleisch, kein Eiweiß, keine Kohlenhydrate.

Mein Zustand war so, dass meine Eltern gesagt bekamen, dass die nächste Nacht über Leben oder Tod entscheiden würde. Ich entschied mich für´s  Leben. Es gab zu dieser Zeit die schönen Glasspritzen mit den dazugehörigen Nadeln die ausgekocht werden mussten.

Mein Vater war zu dieser Zeit bei der Bundeswehr und dadurch seltener Zuhause. So blieb nur meine Mutter, um das Insulinspritzen zu erlernen. BZ-Messungen und Schulungen gab es nicht wie heute. So mussten ich und meine Eltern mit den derzeitigen Gegebenheiten klar kommen. Da ich nach Krankenhausaufenthalten fast den ganzen Teller mit gegessen habe, stellten meine Eltern eigenverantwortlich das Essen auf normale Kosten um. Trotz aller eigenen Bedenken und ärtzlichem Rat. Dass ich heute hier bin, verdanke ich meinen Eltern die nicht nur auf Ärzte, sondern auf ihr normales Gefühl gehört haben.

Ich wurde wie ein ganz normales Kind behandelt. Ich trieb Sport und habe in meiner Jugend im CVJM Fußball gespielt. Aus meiner Erkrankung habe ich kein Geheimnis gemacht. Je mehr meiner Freunde und Bekannten darüber Bescheid wissen, desto besser für mich. Bei Problemen, so meine Einstellung, kann man mir nur helfen wenn man weiß wie.

Ich machte eine Ausbildung zum technischen Zeichner. Heute bin ich als Lagerverwalter beschäftigt. Mit 19 machte ich den Führerschein für Auto und Motorrad. Das Motorradfahren prägte mein weiteres Leben. Fast jedes Wochenende oder im Urlaub war ich auf 2 Rädern unterwegs. Ich bin in einigen europäischen Ländern damit gewesen. Der Diabetes war kein Problem. Die Entwicklungen in der Therapie und die Möglichkeit der BZ-Selbstkontrolle haben sich mit den Jahren verbessert. Ich bin der Meinung, dass man als junger Mensch heute auch mit Diabetes alles machen kann Man muss die Erkrankung akzeptieren und die therapeutischen Mittel nutzen. 1986 bekam ich nach jahrlangem Spritzen eine Insulinpumpe. Diese trage ich bis heute. Jeder Mensch weiß am besten, was ihm gut tut und was ihm Spaß macht. Ärzte sollten beratend und nicht mit erhobenen Zeigefinger zur Seite stehen. Die letztendliche Entscheidung, wie wir unser Leben gestalten, ist unsere eigene Sache und nicht die der HBA1C-Werte.

Veröffentlicht: 2013

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