Jutta Kubat (70 Jahre Diabetes)

Jutta Kubat An die Anfangsjahre meines Diabetes habe ich kaum noch eine Erinnerung. In den Jahren 1950/51 lag ich im Krankenhaus Eppendorf und Barmbek. In diesem Krankenhaus erhielt ich damals durch Herrn Prof. Bertram die Diagnose. Er überreichte mir ein Büchlein „10 Gebote für den Diabetiker“.
Das Gebot „Erzähle niemanden, dass du Diabetes hast“ hat mich meine ganze Jugend und Erwachsenenalter begleitet, war meiner Meinung nach aber falsch. Im Ginsterhof bei Tötensen, einer kleinen Privatklinik, wurde ich nach einem dramatischen Zwischenfall wegen meines Blutzuckers zum ersten Mal mit Depotinsulin behandelt. Nun musste ich mich an spätere Vorgaben strikt halten: Immer die vorgeschriebenen BE und Spritzen einhalten. Wie gut, dass wir heute mit Pens und Pumpe arbeiten und vor allen Dingen in Sekundenschnelle den Blutzucker bestimmen können.

In den folgenden Jahren ging es mir gut. Ich habe mir Reisen zugemutet, wie z. B. durch den Orient, Türkei, Persien, Irak, Türkei, Tunesien, Algerien, Marokko und tagelang in der Sahara, teilweise mittels Hotelunternehmen aus Passau. Auch war ich Mitglied im Deutschen Alpenverein und dadurch in den Bergen unterwegs, u. a. den Ortler und Bernina.

Anfang des neuen Jahrhunderts fragte ich in München und Mainz nach, wie lange ich schon Mitglied im Deutschen Diabetikerbund sei und ob man mir dies bestätigen könne. Nach längeren Forschungsarbeiten teilte mir der Vorsitzende mit, dass ich schon über 50 Jahre Mitglied bin, beinahe Gründungsmitglied. Später erhielt ich eine Einladung zum Essen meiner Wahl in Flensburg und ich erhielt eine Medaille für 25 Jahre Treue in Silber, weil es die in Gold damals noch nicht gab.

Eine kleine schmerzhafte Episode folgte. Leider hat der Diabetes Wort gehalten: Anfang 1980 begannen die Augen, Probleme zu machen. Einblutungen der Netzhaut, 3x Vitrektomie OP in Kiel – damals noch Neuland. In den späteren Jahren musste häufig gelasert werden. Mein Leben bezüglich körperlicher Anstrengungen verlief ruhiger. Ich hatte auf beiden Augen einen Grauen Star, mittlerweile auch noch eine beidseitige Makulardegeneration. Auch den Nieren gefielen mein Blutdruck und Diabetes auf Dauer nicht sehr. Als Resümee kann ich über mein Leben nur sagen, dass es gut lief. Meine Ärzte und mein eigener Wille alles zu meistern, waren groß. So war ich bis zum Schluss beim Rechtsberater der Flotte der Bundesmarine tätig. Insgesamt war ich über 40 Jahre ohne Unterbrechung voll berufstätig.

Veröffentlicht: 2014

Kommentare

Sabine Wieckhorst

Sehr geehrte Damen und Herren,
an diesem o.g. vorbildlichem Beispiel zeigt sich ganz deutlich, wie wichtig es im Leben ist, eine positive Grundeinstellung zum Leben zu haben. Diese Diabetikerin, die zur "reifen Jugend" gehört, zeigt auf, dass es trotz der doch schwierigen Krankheit und der Folgeschäden man ein zufriedenes und ausgefülltes Leben bzw. Arbeitsleben führen kann. Dies sollte jedem ein positives Beispiel sein und andere Diabetiker anspornen, es schönes und ausgefülltes Leben zu führen.
Herzlichen Dank für diesen Beitrag dieser Dame.
Verbleibe mit freundlichen Grüßen
Sabine Wieckhorst

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