Horst Siebert (53 Jahre Diabetes)

Horst Siebert Mein Leben mit dem „süßen Laster“

Am 09.02.1955 wurde ich in Königslutter am Elm geboren. Anfang November 1960 wurde von meinem Hausarzt bei mir Diabetes-mellitus festgestellt. Vorausgegangen waren mehrere Kinderkrankheiten wie Röteln, Masern, Windpocken. In dieser Zeit ging es mir sehr schlecht und ich hatte ständig übermäßigen Durst. Der Hausarzt wusste sich auch keinen Rat und am Ende der zahlreichen Untersuchungen kam er dann auf die Idee, mich auf Diabetes zu untersuchen und dabei wurde das „süße Laster“ entdeckt.

Es folgten viele Aufenthalte in der Kinderklinik der Holwedeklinik in Braunschweig und hier wurde ich dann auf Spritzen und Diabetesernährung eingestellt. Im April 1961 wurde ich in Königslutter am Elm eingeschult. Durch die häufigen Krankenhausaufenthalte habe ich in der Schule viel versäumt und so musste ich die dritte Klasse wiederholen. Darunter habe ich damals seelisch sehr gelitten.

Im zarten Alter von 8 oder 9 Jahren lernte ich, mich allein zu spritzen. Anfangs bekam ich 4 Einheiten Komb-Insulin. Später wurde ich auf zweimal Spritzen am Tag umgestellt. Bei einer erneuten Einlieferung ins Kinderkrankenhaus kamen wir auch am Fluss Oker vorbei. Meiner Mutter sagte ich, hier möchte ich untergehen und soviel Wasser trinken, das ich satt bin! Der übermäßige Durst war sehr typisch und je mehr ich trank, um so durstiger wurde ich!

Was als Kind besonders schwer war, alle Süßigkeiten waren streng verboten und auch Kartoffeln, Möhren, Weintrauben, Bananen usw. waren nicht erlaubt. Außerdem gab es in der Kinderstation genaue Besuchszeiten und natürlich konnten meine Eltern nicht jeden Tag 50 km fahren, um mich zu besuchen. Mein Vater war Alleinverdiener und es gab noch 5 weitere Geschwister, die versorgt werden mussten. So waren die Besuche meiner Eltern auf Sonntagnachmittag für maximal zwei Stunden begrenzt! Natürlich habe ich sehr darunter gelitten, dass ich so alleine im Krankenhaus sein musste.

So vergingen die Jahre und ich brachte meine Schulzeit hinter mich. Als Jugendlicher habe ich mehr als einmal über die Strenge gehauen und die Einsicht für das disziplinierte Diabetesleben war nicht so vorhanden. Mit 19 Jahren habe ich einmal meine Insulinspritze vergessen und ich musste mit Verdacht auf ein Prae-Koma ins Helmstedter Kreiskrankenhaus eingeliefert werden. Zunächst auf der Intensivstation und dann auf einer Normalstation hat man versucht, den Diabetes in den Griff zu bekommen.

Nachdem haben die Ärzte 3 Wochen erfolglos experimentiert. Werte von 300 mg/dl und höher waren an der Tagesordnung und schließlich hat man mich in die Fachklinik für Diabetes nach Bad Lauterberg überwiesen. Dort wurde ich innerhalb einer Woche vernünftig eingestellt. Die intensiven Schulungen führten dazu, dass ich mich nun mehr um meinen Diabetes kümmerte. Inzwischen bin ich 14 mal in Bad Lauterberg gewesen, um meinen Diabetes überprüfen und einstellen zu lassen So wurde ich allmählich auch mit der Selbstkontrolle vertraut gemacht.

Von 1971 bis 1974 machte ich bei Siemens in Braunschweig die Ausbildung zum Elektromechaniker und bestand die Facharbeiterprüfung. Ich wurde von der Firma übernommen und konnte im Prüffeld in der Qualitätssicherung tätig sein. Im Jahr 1982 begannen erste Veränderungen am Augenhintergrund und es erfolgten viele Behandlungen mit Laserkoagulation. Nach zahlreichen Einblutungen und mehreren Operationen musste mir in Januar 1987 das linke Auge entfernt werden. Im Laufe der Zeit verschlechterte sich auch das rechte Auge und heute kann ich nur noch Lichtquellen erkennen.

Es soll nicht verschwiegen werden, dass ich manchmal alles Messen und Spritzen über Bord werfen wollte aus lauter Frust. Doch immer wieder aufs Neue siegte die Einsicht und die Bemühungen um eine gute Einstellung des Diabetes gingen weiter! Seit etwa 1990 habe ich eine Insulinpumpe und komme mit deren Bedienung fast eigenständig zurecht. Den Blutzucker messe ich mit einem BZ-Gerät der Firma Roche, dem AccuChec compact plus. Dies Gerät hat einen Akustikmodus, so kann ich das Messen selbständig durchführen. Protokollieren kann ich den BZ-Verlauf über SiDiaRy von der Firma Sinovo und meinem PC. Meinen PC bediene ich mittels eines Screenreaders (Sprachausgabe). Seit 34 Jahren bin ich glücklich verheiratet und auf meinen Wegen begleitet mich mein Golden Retriever Mädchen Lady, eine ausgebildete Blindenführhündin.

Veröffentlicht: 2013

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