Franz-Josef Krix (50 Jahre Diabetes)

Franz-Josef Krix Im Juni 1952 wurde ich geboren. Ab April 1958 besuchte ich die Schule, und wuchs auf wie viele Kinder meiner Zeit. Ich spielte leidenschaftlich gerne Fußball und war viel draußen unterwegs. Nach einem Zeltlageraufenthalt im Juli 1963 und nach der darauffolgenden Hochzeit meiner Schwester wurde bei mir dann als 11-jähriger Junge am Freitag, dem 16.08.1963 die Diagnose: Typ-1-Diabetes festgestellt. Erste Anzeichen der Diagnose wurden mir erst im Nachhinein bewusst.

Was mit dem Diabetes alles auf mich zukommen würde, wusste ich in dieser Zeit noch nicht. Nach einem 14 tägigen Krankenhausaufenthalt zur Diabetes-Einstellung wurde ich entlassen. Der behandelnde Arzt machte mir damals schon die Hoffnung, dass man alt werden könnte, wenn man sich an die damaligen Diätvorschriften halten würde. Dies bedeutete für mich: keine Süßigkeiten mehr essen wie, Eis, Schokolade, Kuchen, Plätzchen mit normalem Haushaltszucker. Ich aber war eine Naschkatze und der Verzicht auf Süßes fiel mir schwer. Trotzdem konnte ich damit sehr konsequent umgehen. Ab und zu gab es dann auch mal eine Tafel Schokolade oder Plätzchen aus dem Reformhaus.

Typ-1-Diabetes, das hieß nun für mich 5-6 Mahlzeiten auf den Tag verteilt, alle 2-3 Std. etwas essen zu müssen, Spritzen mein Leben lang, und keine normalen Süßigkeiten mehr zu essen sowie meinen Speiseplan den gegebenen Umständen anzupassen. Außerdem immer wiederkehrende Krankenhausaufenthalte zur Neueinstellung. Nach meiner Schullaufbahn absolvierte ich eine Ausbildung zum Feinmechaniker. In diesem Beruf habe ich immer gearbeitet. Nach der Hochzeit 1981 bekamen wir zwei Töchter. Beruf und Familie ließen sich mit dem Diabetes gut vereinbaren, auch wenn es nicht immer leicht war. Unterzuckerungen blieben nicht aus. Man war dann auch manchmal auf fremde Hilfe angewiesen, welche in dieser Zeit noch schwierig war. Denn viele Leute kannten sich mit dieser Krankheit nicht aus.

Vom 16.08.1963 – bis ca. Feb. 1972 spritzte ich einmal am Tag ca. 68 Einheiten Depot Insulin CR klar von Hoechst. Ab 1972 wurde ich neu eingestellt auf zweimal Spritzen am Tag. Morgens 44 Einheiten und abends 16 Einheiten Depot Insulin CR von Hoechst. Dabei bekam ich die BZ-Schwankungen besser in den Griff. Diese Diabetestherapie habe ich bis 2003 so beibehalten, bis das Depot Insulin CR von Hoechst vom Markt genommen wurde, nach 40 Jahre Diabetes von mir. Ab 2003 habe ich mein zweimaliges Spritzen am Tage aufgeben müssen, und auf den Insulin-Pen gewechselt. Nach der Umstellung auf den Pen kam auch das regelmäßige Blutzuckermessen durch mich dazu, bis dato waren die BZ-Messungen bei mir unregelmäßig oder ich überließ Sie meistens den Ärzten sowie dem Diabetologen.

Ab diesem Zeitpunkt habe ich meine Einstellung zu dem Diabetes sehr verändert. Und mich intensiv über meine Krankheit informiert. Durch Diabetiker-Tage, Diabetes-Touren, Schulungen, sowie bei Tagungen in verschiedenen Städten, versuche ich das optimale bei der Diabetestherapie zu erreichen.

Mit der Pumpe habe ich an Lebensqualität gewonnen! Nach anfänglichem Zögern beim Umstellen von Diätprodukten wie Fruchtzucker, Diätplätzchen, Diätschokolade usw. , auf normales Essen auch von Süßigkeiten wie Kuchen, Eis, Schokolade, usw. das dauerte bei mir sehr lange. Nach 40 Jahren mit Fruchtzucker und Diätprodukten, hatte ich zunächst Hemmungen wieder den richtigen Zucker sowie Kuchen und alle anderen Speisen zu mir zu nehmen. Heute habe ich mich daran gewöhnt und freue mich Süßigkeiten sowie alle anderen Speisen essen zu können. 2005 bekam ich meine erste Insulinpumpe, die Paradigm MiniMed 512 durch die sich mein Leben komplett gewandelt hat. Durch die Pumpe ist man flexibel geworden, weil man essen kann wann und was man will. Meine Blutzuckerwerte sowie auch der Hba1c Wert entsprechen einer guten Einstellung, dank der flexiblen Insulinpumpe. Bei der man die Möglichkeit besitzt den BolusExpert zu benutzen, Basalraten zu verändern, sowie vieles andere. Mit der Insulinpumpe verbesserte sich auch meine Spritzangst. Beim Spritzen mit dem Pen benutzte ich Stechhilfen, und heute ebenso um den Pumpenkatheter zu setzen.

Seit 2011 besitze ich die aktuelle Pumpe MiniMed Paradigm VEO 554. Heute erfasse ich mit meinem Blutzuckermessgerät dem Contour Link von Bayer meine Blutzuckerwerte, die auch auf die Pumpe übertragen werden. Meine Blutzuckerwerte sowie alle anderen gespeicherten Werte meiner Pumpe analysiere ich am Computer, und kann die Werte so gut nachvollziehen. Ebenso kann ich für mich und meinem behandelten Diabetologen die Werte ausdrucken. Einen guten Rat kann ich allen betroffenen Diabetikerinnen und Diabetikern geben, sich mit dem Diabetes zu befassen, um für sich selbst die besten Voraussetzungen zu schaffen. Durch Ausflüge auf die Diabetes Touren und Fortbildungsprogrammen sowie Schulungen kann man immer noch etwas dazu lernen.

Am 16.08.2013 konnte ich mein 50 Jähriges Typ-1-Diabetes Jahr begehen. Ich bin nach 50 Jahren Diabetes von jeglicher Art von Folgeerkrankungen verschont geblieben. So ein Glück haben nicht alle Menschen, aber man kann seinen Teil dazu beitragen. Als heutiger Rentner fahre ich auch weiterhin auf die Diabetiker Touren oder andere Veranstaltungen um mich weiter zu bilden in Sachen Diabetes. Ich gehöre außerdem auch einer Selbsthilfegruppe an, denn der Erfahrungsaustausch mit anderen Diabetikern ist sehr von Vorteil. Man kann immer noch etwas dazu lernen.

Ich wünsche allen Menschen mit Diabetes viel Glück im Umgang mit ihrer Krankheit.

Veröffentlicht: 2013

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